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Die Geschichte der japanischen Schrift

 
 
Die japanische Schrift ist eine geschickte und komplexe Umstrukturierung des Chinesischen. Die drei Schriften Kanji, Hiragana und Katakana ergänzen einander und machen das Japanische zu einem gemischten, aber effizienten System.

 
 
Ursprünglich ein aus dem Chinesischen übernommenes System
 
 
Die Schrift ist im 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. nach Japan gekommen. Wie viele andere Elemente der traditionellen japanischen Kultur auch wurde sie direkt aus China übernommen. Da die Japaner kein eigenes Schriftsystem besaßen, bedienten sie sich zu Beginn der Alphabetisierung zunächst der im Reich der Mitte verwendeten Schriftzeichen.
Das Chinesische ist eine Mischung aus Ideogrammen und Silben. Die ersten chinesischen Schriftzeichen waren Darstellungen von Gegenständen.  Diese piktografische Schrift hat dieselbe Entwicklung durchlaufen wie die mesopotamische Schrift und sich schlussendlich in eine vereinfachte, kursivere Schrift verwandelt, in der nun nicht mehr Gegenstände, sondern Schriftzeichen dargestellt wurden.
Beispiel:

Entwicklung des Schriftzeichens „

Baum“:traduction-japonais-arbre-chinoistraduction-japonais-arbre2-chinois

Die Japaner haben die chinesische Schrift zunächst phonetisch übernommen und die Schriftzeichen dann als Ideogramme verwendet. Diese Schreibweise wird als Kanji bezeichnet.

Kanji ist ein sehr beschränktes System, dessen Nutzung dort Probleme aufwirft, wo es für gewisse japanische Wörter keine Äquivalente gibt. Als die Japaner schließlich begannen, für ihre Kultur spezifische Wörter oder Konzepte zu verwenden, gab es hierfür keine entsprechenden chinesischen Schriftzeichen.

 
 
 
Einführung der Kana - Hiragana
 
 
Im 7. und 8. Jahrhundert führten die Japaner daher ein anderes Schriftsystem ein, das auf den chinesischen Zeichen basiert und als Kana (entlehnte Wörter) bezeichnet wird. Man unterscheidet zwei Arten von Kana: Hiragana und Katakana. Die wichtigste Reform der japanischen Schrift war die Einführung von Hiragana in der Heian-Ära. Dabei handelt es sich um eine Silbenschrift, die von dem buddhistischen Mönch Kobo Daishi modernisiert wurde. Sie basiert zum Teil auf der chinesischen Schrift und besteht aus einfachen Strichen und Bögen, wobei jedes Schriftzeichen für eine Silbe steht. In Hiragana lässt es sich nicht nur leichter und schneller schreiben, es ist auch nicht erforderlich, die chinesischen Schriftzeichen zu kennen.

Beispiel: traduction-japonais-hiragana1traduction-japonais-hiragana2

 
 
 
Einführung der Kana - Katakana
 
 
In der Heian-Ära wurde Hiragana als onna-de (Schrift der Frauen) bezeichnet, da sie von bedeutenden japanischen Frauen wie Murasaki Shikibu und Sei Shonagon für ihre großen literarischen Werke verwendet wurde. Dank dieser Werke und der höfischen Kultur, die durch diese Frauengemeinschaften vermittelt wurde, wurde Hiragana schließlich zum vorherrschenden Schriftsystem in Japan.

Kurze Zeit später entwickelten die buddhistischen Mönche eine neue Schrift: Katakana. Wie Hiragana auch war Katakana ein Silbenalphabet, das sich von chinesischen Schriftzeichen ableitet. Es wurde entwickelt, indem chinesische Schriftzeichen durch schnelle, schwungvolle und fließende Pinselstriche dargestellt wurden. Beim Katakana wurden ebenfalls chinesische Schriftzeichen verwendet, die jedoch nur aus einem einzigen Teil dieser Zeichen bestanden: eine Art Abkürzung.

Beispiel: traduction-japonais-katakana1traduction-japonais-katakana2

 
 
 
Das Japanische: vier Systeme in einem
 
 
Das Japanische als perfektes Beispiel für eine agglutinierende Sprache besteht also aus chinesischen Kanji-Schriftzeichen (10 000 Zeichen) und zweisilbigen Kana-Schriftzeichen (46 Hiragana und 46 Katakana). Das Lesen der japanischen Sprache setzt daher die Beherrschung von drei verschiedenen Schriftsystemen voraus. Nach der Einführung des europäischen Alphabets wurde noch eine weitere, vierte Schreibweise des Japanischen entwickelt.
 
Diese schwierige Situation erklärt sich durch die Entwicklung technisch einfallsreicher Lösungen zur Zeit der Alphabetisierung, in der sich viele Probleme stellten, wie zum Beispiel die Anpassung einer nicht phonetischen Schrift an eine vollkommen andere Sprache oder die Entwicklung verschiedener Techniken, die den Schreibprozess des Kanji beschleunigen sollten.
 
Wie bei so vielen anderen Schriftsystemen lag auch hier die Lösung dieser Probleme in der Ausarbeitung einer phonetischen oder Silbenschrift: ein multikulturelles Modell, das sich den sprachlichen Entwicklungen anpasst.
 
Weitere Informationen zu:
- Übersetzung Japanisch,
- Übersetzung Japanisch-Deutsch
- Übersetzung Deutsch-Japanisch
erhalten Sie unter der Rubrik „
Fachbereiche – Asiatische Sprachen“.
 
 
 
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